E-2: Tabuisierung von Worten und Redewendungen



Gutsprech für alle, sonst gibt’s Krawalle!


Zitat: "Gedanken drücken sich in Worten aus und verdichten sich symbolhaft in Begriffen. Es ist deshalb nötig, auch bestimmte Begriffe mit einem Tabu zu umranken. Allein deren Verwendung entlarvt dann denjenigen, der sie benutzt, bereits als jemand, der Meinungen vertritt, die möglichst unterdrückt werden sollten. Als aktuelle Beispiele kann man hier einige Begriffe anführen, die Sie mit einem rassistischen oder rechtsextremen Gedankengut verbinden können, um sie dadurch zu einem Tabu zu machen. Dazu gehören natürlich besonders die bereits länger tabuisierten Worte „Neger“, Zigeuner oder „völkisch“. Aber auch Rasse und Nationalstolz lassen sich leicht umdeuten. Inzwischen hat sich die Tabuisierung sogar auf die Entfernung von Namen von Speisen, Backwaren, Straßen und Faschingsverkleidungen ausgedehnt. Sogar einige Märchenbücher und Zeichentrickfilme werden in diesem Sinne bereinigt. Aus dem gleichen Grund sollen wir Jahresendfiguren aus Schokolade essen und uns auf Jahresendfeiern oder Jahresend-Märkten betrinken. Wir können aber davon ausgehen, dass sich der anfängliche Widerstand legen wird und diese Tabus bald Teil der Normalität sein dürften.


Allerdings lassen sich die tabuisierten Begriffe mit Hilfe von PaLü auch wunderbar nutzen. Sie fragen sich wie? Ganz einfach: Wenn Sie z.B. von einem politischen oder persönlichen Feind behaupten, er habe das sogenannte „N-Wort“, also Nigger benutzt, können Sie in den USA seine berufliche Existenz vernichten. Kürzlich reichte sogar die Erinnerung eines Studenten an einen Abenteuer-Urlaub mit einem langjährigen Redakteur der New York Times in Südamerika. Dort soll er vor zwei Jahren das N-Wort in scherzhafter Unterhaltung benutzt haben. Nun ist er fristlos entlassen worden. Eine Schulleiterin postete auf Twitter „all lives matter“ statt des ideologisch geforderten Slogans „black lives matter“. Am nächsten Tag war sie arbeitslos. Genauso können Sie es in Deutschland auch machen. Es reicht also, wenn Sie jemand unterstellen, er habe irgendwann „muslimische (oder afrikanische) Scheinflüchtlinge“ gesagt und schon ist er in einem ideologisch korrekten Umfeld rettungslos verloren. Die Beweislage interessiert nicht mehr.


Aber auch Redewendungen müssen oft tabuisiert werden. Am besten gelingt dies, indem sie automatisch mit einer rechtsextremen Gesinnung verbunden werden, selbst wenn man sie nicht in diesem Sinne gebraucht. Das ist notwendig, weil bestimmte Redewendungen eine Art von Fluchtkorridor eröffnen, durch den sich Menschen einer Debatte über ideologisch korrektes Handeln entziehen können. Als Beispiele können Formulierungen wie: „Ich habe ja generell nichts gegen Ausländer“ oder „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ dienen. Wenn man solche Floskeln als Indiz für Fremdenfeindlichkeit und rechtsextreme Gesinnung tabuisiert, dann ist dieser Fluchtweg versperrt. Sie haben damit nicht gelogen, sondern können sich mit einer einfachen PaLü schützen. Sie behaupten einfach, lediglich die wahre Meinung als Licht zu bringen, die sich hinter dem sachlich unanfechtbaren Satz verbirgt. Natürlich wird sich der so Angegriffene wütend verteidigen. Das erzeugt jedoch bei den meisten Menschen nur den Eindruck, dass er etwas verbergen möchte. Er bestätigt also scheinbar Ihre Unterstellung."