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S-2: Die Angst vor einer kriegerischen Bedrohung



Man kann das Eisen nur schmieden, solange es heiß ist.


Zitat: "Als sich jahrzehntelang im kalten Krieg zwei riesige Militärblöcke gegenüberstanden, war die Angst von einer kriegerischen Auseinandersetzung, die schließlich in der gegenseitigen Vernichtung durch den Einsatz von Atomwaffen münden könnte, durchaus gerechtfertigt. Es gab nicht nur überall kleinere Kriege, die eskalieren konnten. Auch Fehlalarme und technische Probleme hätten gelegentlich fast eine nukleare Katastrophe ausgelöst. Umso größer hätte die Erleichterung aller westlichen Regierungen ausfallen müssen, als der sozialistische Block nahezu schlagartig zerfiel und sich Russland und alle ehemals unter der Herrschaft der Sowjetunion stehenden Länder dem Kapitalismus zuwandten. Es gab jetzt weder die krassen ideologischen noch die wirtschaftlichen und militärischen Interessenkonflikte. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum kooperativer Staaten von Gibraltar bis Wladiwostok schien eine logische, fast automatisch entstehende Zukunftsperspektive.


Allerdings wäre nach der Auflösung des sozialistischen Militärbündnisses auch die Auflösung der NATO die logische Konsequenz gewesen. Dies und die logischen Reaktionen auf eine fehlende Bedrohung hätten jedoch die Militärausgaben der westlichen Staaten auf einen Bruchteil des bisherigen Volumens schrumpfen lassen. Das konnten und wollten der militärisch-industrielle Komplex und die von ihm beeinflussten Regierungen nicht zulassen. Nicht nur ein Verlust der riesigen Profite auf diesem Gebiet stand auf dem Spiel. Eine solche Entwicklung hätte wohl auch den Zusammenbruch vieler großer Rüstungsfirmen zur Folge gehabt. Also musste der alte Feind Sowjetunion zum neuen Feind Russland werden. Man konnte die Schwäche des Landes nach dem chaotischen Umbruch unter einem kranken Säufer und aufgrund der Ausbeutung des Landes durch eine kleine Clique von Oligarchen und Kriminellen ausnutzen, um es von allen Seiten mit den neuen Alliierten zu umzingeln.

Als es wieder erstarkte und seine Interessen in einigen Bereichen auch militärisch durchsetze, war scheinbar der Beweis erbracht: Die Angst vor dem alten Feind war berechtigt. Die Auftragsmorde an Kritikern des russischen Präsidenten bestätigten das Bild einer skrupellosen Macht. Die PaLü der Angst vor einer Invasion der Russen in Westeuropa erscheint zwar angesichts der Interessenlage des Landes und wegen der voraussehbar schrecklichen Konsequenzen für beide Seiten völlig unberechtigt. Durch die ständige Wiederholung dieser Bedrohungsszenarien in Medien und Politik wird diese Furcht jedoch verfestigt. So entsteht eine Grundangst vor dem russischen Bären in der Bevölkerung. Auf diese Weise können auch die immensen Militärausgaben in Deutschland gerechtfertigt werden, ohne dass eine Welle des Protests die Umwidmung dieser Gelder für die Erhöhung der Minimalrenten oder die dringend nötigen Infrastrukturprojekte fordert."

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