K-1: Definition der Zielgruppen und Erforschung ihrer "Resonanzfrequenzen"



All you need is… like!


Zitat: "Die gegenwärtige politische Werbung und Propaganda in Deutschland war fast immer darauf ausgerichtet, möglichst viele Menschen zu erreichen und so wenige wie möglich zu verschrecken. Das ist aber ein Irrweg. Einerseits, weil sich dadurch die Parteien immer mehr ähneln und für den normalen (also wenig interessierten) Bürger kaum zu unterscheiden sind. Andererseits ignoriert diese Strategie eine der wichtigsten Methoden intelligenter Werbung: Man muss seine Botschaften zielgruppenspezifisch ausrichten.


Sie dürfen Ihre Zeit und finanziellen Ressourcen nicht an Zielgruppen zu verschwenden, die Sie kaum oder überhaupt nicht erreichen können. Es ist viel effektiver, aus dem üblichen Konglomerat von Versprechungen und Allgemeinplätzen, aus denen die Parteiprogramme zusammengewürfelt sind, bestimmte Teile herauszuschneiden. Sie müssen diejenigen auswählen, die bei einer bestimmten Zielgruppe den größten Widerhall erzeugen und dieser gezielt präsentieren.


Man kann hierzu ein Beispiel aus der klassischen Physik verwenden. Körper, die in Schwingungen versetzt werden können, haben "Resonanzfrequenzen". Mit anderen Worten, nur Schallwellen eines bestimmten Frequenzbereichs können in diesem Körper Schwingungen auslösen. Außerhalb dieses Spektrums sind die Reaktionen entweder schwach oder bleiben ganz aus. Sie müssen also die Frequenz (d.h. den Inhalt Ihrer Botschaften) so auswählen und verstärken, dass diese bei der Zielgruppe einen optimalen Widerhall erzeugen.


Wie können Sie nun aber verlässlich beobachten oder sogar experimentell testen, welche Resonanzfrequenz eine bestimmte Gruppe hat, d. h. durch welche Elemente Ihres politischen Programms sie anzusprechen ist? Umfragen durch kommerzielle Meinungsforschungs-institute sind teuer und oft nicht besonders verlässlich. Viel wirksamer sind "Grass Roots"-Gruppen von engagierten Unterstützern der eigenen Partei, die in der Nachbarschaft, in den Vereinen und im Freundeskreis konkret erfahren können, welche Probleme in einer Zielgruppe besonders diskutiert werden und welche Hoffnungen, Wünsche oder Erwartungen diese hat. Aufgrund solcher Informationen können Sie die Frequenz (d.h. den Inhalt Ihrer politischen Botschaften) so auswählen und verstärken, dass diese bei der Zielgruppe eine optimale Resonanz erzeugt.


Ähnlich verhält es sich mit der Resonanz gegenüber Führungsfiguren der eigenen Partei. Nur diejenigen unter ihnen, bei denen eine positive Resonanz in der Zielgruppe festgestellt worden ist, sollten die entsprechenden Botschaften vertreten. Führende Politiker sind in Deutschland fast nie diejenigen, welche die beste zielgruppenspezifische Resonanz erzeugen. Heute verwechseln die Parteien jedoch stets Bekanntheit mit Wirkungsmacht. Jede Wahl zeigt allerdings: Die meisten Menschen wählen einfach den Politiker, der ihnen an wenigsten unsympathisch ist. Das Parteiprogramm, Reden, Plakate und Ähnliches spielen eine untergeordnete Rolle."