B-4: „Zwitscherfallen“ und angeblich geheime Codeworte



Der Betrunkene sagt, was der Nüchterne denkt.


Zitat: "Eine der beliebtesten Methoden für die zweistufige „Hinrichtung“ unliebsamer Personen ist die „Zwitscherfalle“. Auf Twitter oder Facebook lassen sich viele Menschen schnell – oft in Hektik am Handy – zu flüchtig hingeworfenen Kommentaren oder Aussagen hinreißen. Sie können also ganz einfach solche Sätze mit der Methode A-4 (also dem Aufblasen kleiner Elemente innerhalb eines Betrachtungsrahmens) in einer Weise interpretieren, dass damit eine Welle medialer Empörung ausgelöst wird. Aufgrund der Kürze des schnell verfassten „Gezwitschers“ hat der Verfasser oft etwas ganz anderes gemeint, als die Aussage, die Sie ihm mit dieser Methode glaubhaft unterstellen können. Manchmal reichte bereits ein versehentlich falsch gesetztes Emoji: Die Mundwinkel zeigten nach oben, sie sollten aber nach unten weisen, um die traurige Betroffenheit des Schreibenden auszudrücken. Das falsche Emoji war aber nun der Beweis für hämisches Grinsen. Das hat bereits für die prompte Eliminierung eines Starjournalisten aus seiner scheinbar unantastbar festen Position gereicht.


Die Medienhysterie ist die erste Stufe der Hinrichtung. Nachdem diese Empörung in den verschiedenen Echokammern zu einem Sturm der Entrüstung aufgeschaukelt wurde, ertönen schon bald die ersten Stimmen von Politikern, deren Reaktionen von „problematisch“, „missverständlich“ über „unverantwortlich“ bis zu „ekelhaft“ reichen können. Sie alle fühlen sich angesichts der medialen Hysterie verpflichtet, sich zu äußern, weil man sie sonst einer Mitschuld bezichtigen könnte. Diese besteht nach Auffassung politisch korrekt denkender Menschen darin, dass sich ein schweigender Politiker der inkriminierten Aussage heimlich anschließt oder durch die ausbleibende Verdammung derselben eine Mitschuld an deren Verbreitung trägt. Diese Gefahr kennen die Politiker nur zu gut und reagieren – je nach Temperament und politischer Ausrichtung – in der oben beschriebenen Weise."