C-1: Empörung als Ausdrucksform einer PaLü




Wer sich opportun empört, der hat Recht und wird gehört!


Zitat: "Das scheint das Motto der politischen oder moralischen Empörung über vermeintliche oder wirkliche Missstände zu sein. Seit Kindertagen ist uns ein unterbewusster Reflex antrainiert worden: Wenn sich Eltern oder Lehrer empören, fallen sie durch die Wut aus ihrer üblichen Rolle. Es muss also etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein. In der Regel war man als Kind der Auslöser, und zwar durch irgendeine Missetat. Die meisten Menschen fühlen sich deshalb – nahezu instinktiv - immer schuldig, wenn sie der Empörung eines anderen ausgesetzt sind.


Wenn Sie also gehört werden und sich über andere erheben wollen, ist die Empörung eine der wirksamsten Methoden. Jedoch ist Vorsicht geboten! Die Menschen haben in der Regel ein ziemlich feines Gespür für die Unterscheidung zwischen gespielter und echter Empörung. Besonders viele peinliche Momente gespielter Empörung kann man bei spontanen Zwischenrufen im Parlament beobachten. Für die Zuhörer – die meist gar nicht verstehen können, was gesagt wird – entsteht der Eindruck von Leuten, die einen Redner randalierend stören, indem sie mit Kochlöffeln auf Töpfe einschlagen. Der Redner wird zum Opfer und zieht so die Sympathie der Zuhörer auf sich.


Besonders bei Berufspolitikern ist die gespielte Empörung die Regel. Sie sind jedoch meistens schlechte Schauspieler. Auf Wahlkampfveranstaltungen wird dies besonders deutlich. Es reicht nicht, laut zu schreien, um Erregung und Engagement vorzutäuschen. Üblicherweise richtet sich die gespielte Empörung auf die angeblich verwerflichen Maßnahmen und Konzepte des politischen Gegners, um sich selbst dann als die erlösende Alternative zu präsentieren.


Wenn Sie eine solche Rede halten wollen, lassen Sie die Empörung unbedingt langsam ausklingen! Hören Sie auf, zu schreien und zu klagen! Leiten Sie über zu einer stillen und nachdenklichen Präsentation Ihrer eigenen Person und politischen Position. Meistens wird jedoch der Fehler gemacht, diese mit genau der gleichen Lautstärke und dem gleichen Gestus des engagierten Gebrülls zu präsentieren. Das ist aber ein großer Fehler, denn jetzt entlarven Sie sich selbst!


Viele Zuhörer haben oft schon nach den ersten Worten einer empörten Rede den Eindruck, dass sich hier nur ein schlechter Schauspieler aufregt, der das Standardprogramm einer eingeübten Wahlkampfrede abspult, die er schon dutzende Male gehalten hat. Man ist dem Redner gegenüber also reserviert. Wenn Sie nun Ihre eigene Position im gleichen Gestus herausbrüllen, der die gespielte Empörung auszeichnete, dann können Sie ziemlich sicher sein, dass bei den meisten Zuhörern nicht Anteilnahme, sondern Fremdschämen ausgelöst wird. Statt das Auditorium zu gewinnen, haben Sie es abgestoßen."