L-2: PaLü-Methoden in politischen TV-Talkshows: Schauprozesse



Ein Angreifer kommt selten allein.


Zitat: "TV-Talkshows sind eine sehr kostengünstige Form der Auffüllung der Sendezeit öffentlich-rechtlicher Anstalten und bedienen scheinbar deren Auftrag zur politischen Bildung und Aufklärung des Publikums. Weil aus den o.g. Gründen diese Funktion in den Debatten im Parlament nicht erfüllt werden kann, wären die Talkshows als Ersatzparlamente eigentlich eine sinnvolle Einrichtung. Jedoch ist es im Interesse der Durchsetzung einer weitgehenden Bereinigung der Realitätswahrnehmung eines großen Teils der Bevölkerung wichtig, TV-Talkshows zu Schauprozessen gegen Träger von Ideen zu nutzen, die dieses Ziel stören.


Dazu eignen sich diese Sendungen auch deshalb besonders gut, weil an jeden Tag eine der wöchentlichen Talkshows zu sehen ist. Da hier meist die gleichen Themen mit unterschiedlichen Teilnehmern abgehandelt werden, ist das essenzielle Element der ausreichenden Wiederholung gegeben. Für den angestrebten Erfolg des Sieges der eigenen Konzepte und der eigenen (richtigen) Weltsicht ist es von entscheidender Bedeutung, dass Sie die Teilnehmer so auswählen, dass neben 3-4 vehementen Befürwortern der erwünschten Position ein Neutraler und ein Vertreter der zu bekämpfenden Ideen eingeladen wird.

Sie starten die Show am besten durch relativ neutrale Kommentare des jeweiligen Moderators, welche den Anschein erwecken müssen, er sei nach allen Seiten offen und deshalb unparteiisch. Danach lassen Sie die Teilnehmer der Reihe nach zu Wort kommen. Auf einen Redebeitrag des zu verurteilenden Gegners und des Neutralen sollten immer zwei Beiträge der Vertreter der richtigen Position folgen. Das ist aufgrund der Teilnehmerzahl ein Gebot der Fairness und dürfte jedem einleuchten. Dadurch entsteht allerdings automatisch der Eindruck der Dominanz der richtigen Meinungen.

Zudem fühlt sich der Gegner schließlich so umzingelt, dass er versucht, seine Minderheitsposition immer vehementer vorzutragen. Dies wiederum kann dadurch aufgeschaukelt werden, dass der Moderator beginnt zu zündeln. Dies ist leicht möglich durch die Präsentation von Zitatfragmenten des Angegriffenen (oder seiner politischen Mitstreiter), die so aus dem Zusammenhang gelöst werden, dass sie einen anderen Sinn ergeben. Nun wird sich der Angegriffene noch wütender verteidigen.


Allerdings kann nun der Moderator durch Suggestivfragen an geeignete Vertreter der richtigen Meinungen (z.B. "Wie sehr empören Sie solche Äußerungen?") deren Attacken ermutigen. In der Regel läuft dies auf ein lautes und gleichzeitiges Gewirr von Rede und Gegenrede hinaus, wobei die Kontrahenten versuchen, so lange und laut zu reden, bis ihr Gegner schließlich entnervt schweigt. Wenn in diesem Stimmengewirr keiner mehr versteht, was gesagt wird, sollte der Moderator als scheinbar Unparteiischer einspringen und die Runde wieder zur Ruhe bringen.


Danach kann die "Zerhackermethode" angewandt werden. Sie beginnt mit einer Frage des Moderators an den Angegriffenen, der nun hofft, einige Gedanken zusammenhängend darstellen zu können. Dies gelingt in der Regel durch seine aufgestaute Erregung oder Wut nicht besonders gut, was scheinbar berechtigte Einwürfe seiner Gegner hervorruft. Nachdem er sich wieder das Wort verschafft hat, spielt sich nach dem nächsten Halbsatz das Gleiche ab.


Er wird immer weiter aus dem Konzept gebracht und versucht den zerhackten Zusammenhang herzustellen, indem er seinen Satz von neuem (vielleicht mit anderen Worten) beginnt. Dadurch entsteht der Eindruck der Fahrigkeit, Unsicherheit und Redundanz seiner Einlassungen, was es umso berechtigter erscheinen lässt, dass ihn seine 3-4 Gegner immer wieder mit pointierten Einwürfen unterbrechen. Schließlich hat kein Zuschauer verstanden, was der Angegriffene sagen wollte und zusammen mit der Mehrheit der Diskussionsteilnehmer sein negatives Urteil gefällt. Der Schauprozess kann zu Ende gehen. Die Sendezeit ist um und der Moderator muss nun noch scheinheilig bedauern, dass man die interessante Diskussion nicht weiter vertiefen konnte."