L-1: PaLü müssen der Hauptbestandteil von Reden im Parlament und bei Wahlkämpfen sein



Wie man sich bettet, so lügt man.


Zitat: "Aufgrund des meist verwendeten Fraktionszwanges bei Abstimmungen in deutschen Parlamenten und angesichts der Vielzahl wirksamer "Folterwerkzeuge", die für die Disziplinierung eventuell abtrünniger Abgeordneter zur Verfügung stehen, kann von einer freien Gewissensentscheidung bei Abgeordneten schon lange keine Rede mehr sein. Insofern können Parlamentsreden (die meist vor leeren Rängen stattfinden), keine Präsentationen alternativer Konzepte sein, welche das Ziel haben, andere Abgeordnete von den eigenen Argumenten zu überzeugen.


Dementsprechend müssen die Reden der Vertreter der Regierungsfraktionen die bereits lange vor einer Abstimmung getroffenen Entscheidungen loben. Dabei ist es wichtig, sich als Bannerträger des Guten und Notwendigen zu positionieren. Dafür eignet sich die ständige Wiederholung der "westlichen Werte", welche den eigenen Entscheidungen zugrunde liegen und die durch das neue Gesetzesvorhaben erneut gestärkt werden. Es muss also immer die Rede sein von Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, sozialem Ausgleich, dem Miteinander, der Chancengleichheit, der Integration und den wirtschaftlichen Erfolgen (die allerdings meist nicht der Regierung zu verdanken sind). Diese und ähnliche Werte sind sakrosankt, weil keiner genau weiß (und wissen will), was sie in der Anwendung auf eine konkrete Situation bedeuten sollen. Deshalb ist es unmöglich, ihnen direkt zu widersprechen. Sie werden also bei der Analyse fast aller Redner im Parlament zu dem Schluss kommen, dass viele der in diesem Buch beschriebenen PaLü-Methoden regelmäßig zur Anwendung kommen. Aus den beschriebenen Gründen kann das auch nicht anders sein. Aus parteipolitischer Sicht könnte man sogar formulieren: Es darf auch nicht anders sein!


Für Wahlkampfreden gelten ähnliche Regeln, allerdings ist hier zu beachten, dass kaum ein Bürger die Wahlprogramme der Parteien gelesen hat und zudem aus Erfahrung weiß, dass wichtige Teile davon ohnehin nach der Wahl entweder vergessen oder in ihr Gegenteil verkehrt werden. Man erwartet also nichts anderes als ein Potpourri passiver Lügen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie bei solchen Gelegenheiten ständig wiederholen, dass nur mit der eigenen Partei die sakrosankten Werte (siehe oben) erhalten und ausgebaut werden können. Sollte jemand fragen, wie denn das konkret geschehen soll, ist es leicht, ihn ins Leere laufen zu lassen: Sie verweisen einfach auf die Details des 150-seitigen Parteiprogramms. Für dessen Erläuterung reicht die Zeit natürlich nicht. Das wird jeder verstehen!"