D-2: PaLü mit Videos, Dokumentarfilmen und Tonaufnahmen



„Das müssen wir umficken!“ (Journalistensprech)


Zitat: "Zunächst können Sie natürlich auch hier die gleichen Methoden bei der Auswahl der Szenen anwenden, die bereits beschrieben wurden. Praktisch bedeutet dies, dass Sie z.B. aus einem längeren Interview jeweils einige wenige Sätze oder Satzfragmente herausschneiden und diese mit Kommentaren und anderen Bildsequenzen umgeben. Allein schon dadurch, dass man aus einem längeren Zusammenhang einzelne Fragmente extrahiert, kann beim Zuschauer oder Zuhörer eine völlig andere Botschaft entstehen. Der Interviewte hat vielleicht genau das Gegenteil dessen ausgedrückt, was durch die von Ihnen gewählten Ausschnitte suggeriert wird. Wenn Sie durch Ihre Kommentare und die ebenfalls eingespielten Aussagen von Kritikern der zu diffamierenden Person die Wahrnehmung des Zuschauers in eine bestimmte Richtung lenken, kann Ihnen niemand eine Lüge vorwerfen. Genau so muss es bei einer gut gemachten PaLü auch sein.


Allerdings bieten Videos und Dokumentarfilme eine weitere sehr wirksame Methode zur Verbreitung von PaLü. Es handelt sich um die Auswahl der Protagonisten des Films. Normalerweise sind es nur wenige Personen, die auf diese Weise ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. Sie können Personen auswählen, die ein ähnliches Schicksal verbindet und die den Zuschauern ans Herz wachsen. Besonders bei Berichten über Migranten eignet sich die Methode wunderbar. Zusammen mit geeigneten Kommentaren entsteht so Hilfsbereitschaft und Solidarität. Niemand wird auf die Idee kommen, dass diese Auswahl vielleicht nur einen Bruchteil der Gruppe repräsentiert, über die eigentlich objektiv berichtet werden sollte. Die Auswahl von Menschen aus der Mehrheit dieser Gruppe könnte leicht den entgegengesetzten Eindruck entstehen lassen. Eine gute PaLü verlangt also immer auch ein gewisses Maß an Sorgfalt und Vorausschau.


Wenn Sie jedoch eine Personengruppe verdammen wollen, gilt das gleiche Prinzip, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Sie müssen die unsympathischen, abstoßenden oder kaltherzigen Typen auswählen. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Sie diesen Leuten Menschen gegenüberstellen, die unter den Handlungen der zu verurteilenden Gruppe leiden. Auf diese Weise kann z.B. der Gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten besonders sinnfällig dargestellt werden."